Beamtenrecht

Laufbahnrecht - Bildung und Erfahrung müssen entscheiden

Laufbahnrecht - Bildung und Erfahrung müssen entscheiden

Das Laufbahnrecht ist eine entscheidende Rechtsgrundlage, wenn es um eine gute berufliche Perspektive für Beamtinnen und Beamte geht. Maßgeblich werden dadurch u.a. die Qualität von Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen sowie die Möglichkeiten des Aufstiegs beeinflusst. Neue und zeitgemäße Instrumente für ein modernes Personalmanagement müssen sich in  Reformen des Laufbahnrechtes wiederfinden. ver.di engagiert sich für ein fortschrittliches Laufbahnrecht, welches Qualifizierung und Personalentwicklung unterstützt und damit hochwertige Dienstleistungen weiterhin ermöglicht.
Fortwährende berufliche Bildung von Beamtinnen und Beamte einfordern und ihre berufliche Entwicklung zu fördern, muss Leitgedanke für ein modernes Laufbahnrecht sein.

Am 26. April 2016 wird sich die ver.di-Fachtagung für Beamtinnen und Beamte mit dem Schwerpunkt Laufbahnrecht befassen.
Das Laufbahnrecht entwickelt sich in den Ländern und beim Bund unterschiedlich, wobei durchaus interessante Wege eingeschlagen werden.

Wir fragten bei Paul Johannes Fietz, Abteilungsleiter öffentlicher Dienst, Bundesministerium des Innern für den Bereich des Bundes und bei Uwe Januszewski, Vorsitzender ver.di-Kommission Laufbahnrecht und Beamter der Landes Berlin nach ihren Einschätzungen zur Entwicklung des Laufbahnrechtes:

  • Fragen & Antworten - Paul Johannes Fietz

    Laufbahnrechtliche Regelungen entscheiden über das berufliche Fortkommen von Beamtinnen und Beamten. Wie steht es Ihres Erachtens um die Qualität der Ausbildung und Weiterbildung beim Bund?

    MD Paul Johannes Fietz: Der Bund verfügt über mehrere Aus- und Fortbildungseinrichtungen: Nennen möchte ich die Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung (HS Bund) für die Ausbildung der Beamtinnen und Beamten des gehobenen Dienstes, das Bundesverwaltungsamt (BVA) für die Ausbildung der Beamtinnen und Beamten des mittleren nichttechnischen Verwaltungsdienstes (BVA) sowie die Bundesakademie für öffentliche Verwaltung (BAköV) für die Fortbildung.
    Die HS Bund verfügt seit mehr als 30 Jahren über Erfahrungen in der Durchführung dualer Studiengänge. Sie bietet 12 verschiedene Bachelor- und Diplom-Studiengängen als Vorbereitungsdienst für eine Laufbahn des gehobenen Dienstes an. Der Vorbereitungsdienst gewährleistet mit seinen Theorie- und Praxisphasen, dass die Studierenden bestmöglich auf die Aufgaben ihrer Laufbahn vorbereitet werden.
    Unsere Bildungseinrichtungen reagieren auch auf neue fachliche Herausforderungen mit darauf abgestimmten Ausbildungsgängen. Beispielsweise hat die HS Bund im Jahr 2012 den Vorbereitungsdienst Verwaltungsinformatik, welcher die Kenntnisse und Kompetenzen für eine qualifizierte und praxisorientierte Sachbearbeitungs- oder Leitungstätigkeit im IT-Bereich bzw. in der Schnittstellenfunktion zwischen IT und Verwaltung vermittelt, eingerichtet. Der Studiengang wird von Bewerberinnen und Bewerbern gut angenommen und die Absolventinnen und Absolventen von den Behörden rege nachgefragt.
    Auch die Ausbildungsgänge des BVA für den mittleren Dienst sind auf die spezifi-schen Bedürfnisse der Behörden ausgerichtet. Sie beschränken sich ebenfalls nicht nur darauf, Wissen zu vermitteln. Vielmehr werden auch hier berufspraktische Fähigkeiten an die Hand gegeben. Die Vorbereitungsdienste gliedern sich dementsprechend in theoretische Lehrveranstaltungen und praxisbezogene Ausbildungsabschnitte.
    Solche fundierten Ausbildungen gewährleisten eine breite Verwendbarkeit der aus-gebildeten Beamtinnen und Beamten. Zugleich werden die Weiterentwicklungschancen gestärkt und Aufstiege in die nächsthöhere Laufbahn ermöglicht. Mit mehr als 130 verschiedenen Berufen bietet der Bund eine sehr breite Palette an Berufsausbildungen außerhalb der Beamtenausbildung an. Seit der Dienstrechtsreform im Jahr 2009 können in viel größerem Maß als zuvor Beschäftigte mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz verbeamtet werden. Für diese bestehen anschließend dieselben Entwicklungsmöglichkeiten wie bei den Absolventinnen und Absolventen eines Vorbereitungsdienstes.
    Als zentrale ressortübergreifende Fortbildungseinrichtung des Bundes und Qualifizierungsdienstleister für alle Bundesbehörden hat die BAköV die Aufgabe, die Angehörigen der Bundesverwaltung praxisnah fortzubilden. Um das Spektrum einer vielfältigen Fortbildung abbilden zu können, beschäftigt sie Dozentinnen und Dozenten, die als Verwaltungspraktikerinnen und -praktiker, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie freiberufliche Trainerinnen und Trainer tätig sind.
    Alle genannten Aus- und Fortbildungseinrichtungen bieten ein Höchstmaß an Qualität in der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Damit wird die Grundlage für eine fachlich fundierte, praxisnahe und kundenorientierte Aufgabenerledigung geschaffen. Die Aus- und Fortbildung trägt so dazu bei, die Leistungsfähigkeit und Flexibilität des öffentlichen Dienstes zu erhalten und auszubauen, und bildet die Grundlage für das berufliche Fortkommen unserer Beschäftigten.

    Welche Aufstiegsmöglichkeiten machen Sinn und müssten fortentwickelt werden?

    MD Paul Johannes Fietz: Im Rahmen der Dienstrechtsreform im Jahr 2009 wurden auch die Aufstiegsvorschriften der Bundeslaufbahnverordnung neu gefasst. Danach erfolgt der Aufstieg in die Laufbahnen des gehobenen oder höheren Dienstes durch einen fachspezifischen Vorbereitungsdienst oder durch eine Hochschulausbildung. Der Aufstieg in die Laufbahnen des mittleren Dienstes erfolgt durch einen fachspezifischen Vorbereitungsdienst oder durch eine fachspezifische Qualifizierung. Nach einer Übergangsregelung können zudem in allen Laufbahnen noch bis zum 31. Dezember 2015 Zulassungen zum Ausbildungs- und Praxisaufstieg nach der alten BLV-Fassung vorgenommen werden.
    Die Teilnahme an einem fachspezifischen Vorbereitungsdienst, welche weitgehend dem früheren Ausbildungsaufstieg entspricht, kann in allen Bereichen angewendet werden, in denen es Vorbereitungsdienste gibt. Es handelt sich um ein seit langer Zeit bewährtes und akzeptiertes Verfahren, das gewährleistet, dass die Aufstiegsbe-amten mit demselben Rüstzeug in der neuen Laufbahn ankommen wie unmittelbar in diese Laufbahn eingestellte Beamtinnen und Beamte.
    Um Beamtinnen und Beamten mit Familienpflichten die Teilnahme zu erleichtern, wurde der Vorbereitungsdienststudiengang „Verwaltungsmanagement“ fortentwickelt. Er wird seit April 2014 für den Aufstieg in den gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst als Fernstudiengang angeboten und weist nur einen geringen Anteil an Präsenzstudientagen auf. Die Praktika werden in den Beschäftigungsbehörden absolviert.
    Als Qualifizierung für den Aufstieg in Laufbahnen des gehobenen und höheren Dienstes kann auch eine Hochschulausbildung vorgesehen werden. Für den Aufstieg in den höheren nichttechnischen Verwaltungsdienst wurde an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung der Studiengang Master of Public Administration (MPA) eingerichtet. Auch dieser Studiengang ist als Fernstudiengang ausgestaltet. Für die Akzeptanz des MPA-Studiengangs sprechen die stets steigenden Studierendenzahlen. Wir werden prüfen, ob für Aufsteigerinnen und Aufsteiger zukünftig noch mehr Plätze zur Verfügung gestellt werden können.
    Gebrauch gemacht wurde aber auch von der im Jahr 2009 neu geregelten Möglich-keit, mit externen Hochschulen zur Durchführung von Aufstiegen nach § 39 BLV zu kooperieren. In diesem Segment absolvierten Aufsteigerinnen und Aufsteiger in den gehobenen als auch in den höheren Dienst Bachelor- bzw. Masterstudiengänge der Rechts-, Verwaltungs- sowie Ingenieurwissenschaften.
    Bei der fachspezifischen Qualifizierung für den Aufstieg in Laufbahnen des mittleren Dienstes handelt es sich um eine Fortentwicklung des bisherigen Praxisaufstiegs. Wie der Praxisaufstieg dauert sie ein Jahr und sechs Monate. Da die Erfahrungen mit dem Praxisaufstieg gezeigt haben, dass häufig Lehrgänge von deutlich längerer Dauer gebucht wurden als die in der Vorschrift vorgesehene Mindestdauer, wurde eine sechsmonatige fachtheoretische Ausbildung festgelegt. Im Übrigen besteht die fachspezifische Qualifizierung aus einer berufspraktischen Einführung in die Aufgaben der Laufbahn.
    Eine in diesem Jahr abgeschlossene Evaluierung hat gezeigt, dass die neuen Auf-stiegsverfahren von den meisten Ressorts gut genutzt werden und die Zulassungs-zahlen seit der Implementierung der Verfahren stetig angestiegen sind.
    Neben diesen Verfahren ist nach intensiver Beratung mit allen Ressorts in Aussicht genommen, auch für den Aufstieg in Laufbahnen des gehobenen Dienstes ein neues praxisorientiertes Aufstiegsformat zu installieren. Die konkrete Ausgestaltung wird voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres zwischen den Ressorts und unter Beteiligung der Spitzenorganisationen der Gewerkschaften abgestimmt.

    Was muss Personalentwicklung in den Behörden bzw. Verwaltungen leisten?

    MD Paul Johannes Fietz: Die Verwaltungsorganisation muss sich neuen fachlichen, technischen und demografischen Anforderungen sowie komplexer werdenden Aufgaben stellen. Um Veränderungs- und Modernisierungsprozesse erfolgreich in den Behörden umsetzen zu können, muss sich die Verwaltung daher mit der Frage auseinandersetzen, wie geeignetes Personal dafür vorbereitet und qualifiziert werden kann.
    Beschäftigte, die nach ihren Kompetenzen und Qualifikationen bedarfsgerecht ein-gesetzt werden, sind die Grundvoraussetzung für eine leistungsfähige Organisation und effiziente Prozesse. Eine zielgerichtete Personalentwicklung in den Behörden spielt daher eine entscheidende Rolle bei der erfolgreichen Umsetzung von Veränderungsprozessen in der öffentlichen Verwaltung. Sie dient dazu, das Leistungs- und Entwicklungspotenzial der Beschäftigten zu erkennen, zu erhalten und weiter zu fördern. Mit leistungsfördernden Impulsen kann Personalentwicklung so die Arbeitsmotivation, Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit steigern.
    Personalentwicklung ist ein wichtiger strategischer Erfolgsfaktor für eine handlungsfähige Verwaltung. Personalentwicklung ist hier als ein kontinuierlicher, dynamischer Verbesserungsprozess zu verstehen. Neben Ausbildungs- und Weiterbildungsangeboten sowie Führungskräfteentwicklung steht im Rahmen der strategischen Personalentwicklung die Sicherung und Weiterentwicklung des Informations- und Wissenstransfers in der Verwaltung im Vordergrund.
    Um die Leistungsfähigkeit der Verwaltung zu erhalten, werden verschiedene Instru-mente und Methoden der Personalentwicklung eingesetzt. Hierzu gehört u.a. eine gezielte Personalgewinnungsstrategie, die bei der Auswahl, Einführung und Förde-rung von Fach- und Führungskräften ansetzt.
    Als Grundlage für die Personalentwicklung muss jede Behörde ein Personalentwicklungskonzept erstellen. Diesem kommt wegen der damit verbundenen langfristigen Planung und Festlegungen erhebliche Bedeutung zu. Zudem sind Personalentwicklungsinstrumente durch Personalführungsmaßnahmen wie Kooperationsgespräche, Zielvereinbarungen und Beurteilungen zu flankieren.

  • Fragen & Antworten - Uwe Januszewski

    Laufbahnrechtliche Regelungen entscheiden über das berufliche Fortkommen von Beamtinnen und Beamten. Wie steht um die Qualität der Ausbildung und Weiterbildung?

    Uwe Januszewski: Die Ausbildung, z.B. im mittleren Dienst ist zu starr an die jeweilige Laufbahnfachrichtung ausgerichtet und macht es daher fast unmöglich später innerhalb der verschiedenen Verwaltungszweige  zu wechseln.  Anders sieht es im gehobenen Dienst aus. Hier gibt es bereits eine Vielzahl unterschiedlicher qualitativ guter Studiengänge, die über den „Tellerrand“ ihrer Laufbahnfachrichtung hinausgehen. Hier besteht eher die Gefahr, dass die Behörden, aufgrund der wachsenden Aufgaben und des demographischen Wandels wieder zum „Fachbeamten altem Typus“ zurückkehren wollen.
    Qualifizierte Weiterbildungsangebote sind vorhanden. Sie können häufig aus der Überbeanspruchung am Arbeitsplatz und im Rahmen von dezentraler Ressourcenverantwortung nicht genutzt werden. Es fehlt in vielen Dienstbehörden an einem Weiterbildungskonzept, die Beamtinnen und Beamten werden häufig allein gelassen und nicht gezielt gefördert.
    Die erfolgreiche Wahrnehmung von Qualifizierungsmaßnahmen und berufliche Erfahrungszeiten müssen sich in stärkerem Maße wie bisher positiv auf Aufstiegsmöglichkeiten auswirken. Wir brauchen modulare Bildungsangebote und den Erhalt von Praxisaufstiegsmaßnahmen.

    Welche Aufstiegsmöglichkeiten machen Sinn?

    Uwe Januszewski: Nicht nur die einzelnen Aufstiegsmöglichkeiten müssen überprüft, sondern das Laufbahnsystem muss insgesamt durchlässiger gestalten werden, so dass es neuen Herausforderungen gerecht wird. Voraussetzungen dafür sind ein flexiblerer Zugang zum öffentlichen Dienst und die Möglichkeit mit in und außerhalb des öffentlichen Dienstes erworbenen Qualifikationen beruflich aufzusteigen. Insofern darf es keine Laufbahnschranken geben. Aufstiegsmöglichkeiten müssen sich an der beruflichen Tätigkeit orientieren und dürfen der persönlichen Entwicklung nicht im Wege stehen. Ein Beispiel: ein Masterabschluss, der während den eine Beamtin in einem nebenberuflichen Studium erworben hat, muss in der entsprechenden Fachrichtung auch zum Aufstieg anerkannt werden.

    Was muss Personalentwicklung leisten?

    Uwe Januszewski: Sie muss die Beschäftigten in den Mittelpunkt stellen und berufliche Perspektiven bieten, damit diese den aktuellen Anforderungen im Dienst gerecht werden und sich selbst weiterentwickeln können.